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Zunftgeschichte

Wie alt die Fasnet in Meßkirch ist kann keiner genau sagen. In der Chronik der Grafen von Zimmern, die am Meßkircher Schloss verfasst wurde und die heute als kostbares Kulturgut im Staatsarchiv Baden-Württemberg lagert, finden sich Berichte, die vermuten lassen, dass damals - also im 15. Jahrhundert - in Meßkirch schon so etwas wie Fasnet gefeiert wurde. Mitte des 17. Jahrhunderts liegt eine weitere Wegmarke in der Geschichte der Meßkircher Fasnet: In Berichten aus dieser Zeit soll im Meßkircher Pfarrarchiv von Fasnet geschrieben sein. Die Akten, die inzwischen verschollen sind, berichten von Nachbarschaftsfesten in der Fasnetszeit. Aus dem Jahr 1873 wird in den Chroniken von einem Narrenbuch berichtet, was natürlich ein deutlicher Beleg für das Existieren von Fasnet wäre. Darum feiert die heutige Katzenzunft Meßkirch diesen Termin als Gründungsjahr. Dieses erste Buch ist aber leider verschollen und deshalb ist sicher im Moment nur eines: Aus dem Jahr 1885 existieren noch eine Narrenfahne und ein Narrenbuch und seither verfügt die Katzenzunft Meßkirch über eine beinahe lückenlose Protokollführung. Das Jahr 1885 steht also zweifelsfrei fest. Auch das Setzen des Narrenbaums, ein bis heute gepflegter Brauch, wird im Jahr 1885 erstmals erwähnt.

1886 wurde die Meßkircher Fastnacht wieder mit der Katze in Zusammenhang gebracht, denn das damalige Motto lautete: "Alle Katzen sind no blind, wenn sie erst acht Tag' alt sind". Im Protokollbuch wird verzeichnet, dass bei der Verkündung des Mottos große Begeisterung herrschte und immer wieder das uralte Meßkircher Fasnetslied von der hoorigen Katz' gesungen worden sei. Nähere Erläuterungen zu diesem Motto finden wir allerdings weder im Protokollbuch, noch in den damals erschienenen Tageszeitungen.

1887 ordnete die Reichsregierung wegen der Reichstagswahlen ein allgemeines Fastnachtsverbot an, was offensichtlich zum Zerfall des Meßkircher Narrenvereins führte, der seine Protokolle und Kassenbücher im Rathaus ablieferte und in der Folgezeit das Fasnetmachen anderen überließ. 1888 wurde die Meßkircher Fasnet gar von der Fastnachtsgesellschaft Heudorf gestaltet. Die gehobenen Bürgerschichten vergnügten sich in den folgenden Jahren bei den Bürgermuseums- und Casinobällen, der "kleine Mann" aber zog fleißig sein Schnurrhäs an, wenngleich der "Oberbadische Gränzbote" die Phantasielosigkeit der Schnurrer beklagte. Fledermaus und Hänsele hätten nichts anderes mehr zu sagen als "Gell, du kennscht mi it".

Vermutlich ist der Narrenverein auch an der Rivalität zwischen den Narren aus dem Stadtteil "Sitzenhausen-Händelwangen" und denen vom "Krieseloch" zerbrochen, die in der Folge eigene Narrengesellschaften gründeten und mit Umzügen und Fastnachtsspielen miteinander konkurrierten. Zu damaliger Zeit gab es auch stets zwei Narrenbäume, einen am Adlerplatz für die Krieselöchler und einen bei der "Sonne" für die Sitzenhäusler. 1890 berichtet der "Oberbadische Gränzbote", die Fastnacht sei auf den Gefrierpunkt abgesunken. Zwei Jahre später muss aber das "Im-Häs-Gehen" wieder einen großartigen Höhepunkt gehabt haben. Einmütig berichteten die "Freie Stimme" und der "Oberbadische Gränzbote" von zahlreichen Fledermäusen, Hänsele und Dominos, die das Straßenbild belebt hätten.
"Unverhofft kommt oft", schrieben die Blätter auch 1893. Es habe sogar einen imposanten Straßenumzug mit einem Fastnachtsspiel gegeben, vermutlich von einer der beiden Vorstadtgesellschaften arrangiert. Großartig muss in den folgenden Jahren laut Zeitungsberichten das Maskentreffen gewesen sein. Auf der Straße sei eifrig geschnurrt worden. Die vielen Passanten hätten an Fastnacht kurzweilige Stunden erlebt. Um die Jahrhundertwende wurde es wieder ruhiger. Ohne einen Narrenvater muss wohl auch den Hänsele und Fledermäusen die Lust am närrischen Tun vergangen sein. Von 1901 an fanden wieder jährliche Umzüge und Fastnachtsspiele statt. Veranstalter waren jeweils die Fastnachtsgesellschaften Krieseloch und Sitzenhausen-Händelwangen - jedem Stadtteil seine eigene Fastnacht.

Doch 1906 wurde es anders. Anton Vogler senior, Rochus Itta und Josef Stelzle vollbrachten das vordem so unmöglich scheinende Wunder und führten die bis dahin konkurrierenden Vorstadtgesellschaften wieder zusammen. Der Narrenverein Meßkirch war wieder erwacht. Erstmals fand der Narrenbaum seinen Stammplatz in der Stadtmitte, am Marktplatz. Kaufmann Schmucker wurde zum Narrenvater gewählt und zehn weitere Personen fungierten, wohl nach Stockacher Vorbild, als Gerichtsnarren. Zum Zeichen ihrer Würde trugen sie schwarze Zipfelkappen. Für den großen Umzug ,,Meßkirch vor 400 Jahren" wurden historische Kostüme aus Basel herbeigeschafft. Seit 1906 gibt es auch wieder einen gemeinsamen Hemdglonkerumzug. Laut Berichten im Protokollbuch des Narrenvereins mussten sich die Hemdglonker vor Beginn des Umzuges am Abend des Schmotzigen Dunnschdigs immer zuerst einer Inspektion durch den Glonkervater unterziehen.

Unter der Regie von Anton Vogler, Rochus Itta, Josef Stelzle und Konrad Reinauer, alles Männer, die fast ein Menschenleben lang die Meßkircher Fasnet maßgeblich gestalteten, erlebte Meßkirch wieder eine Blütezeit der Narretei. 1911 nennt sich das Narrengericht wieder Narrenrat. Die Meßkircher Narrenrichter und Gerichtsnarren hatten wohl, eben wegen dieser Bezeichnung, Ärger mit den Stockacher Nachbarn bekommen. Ärger bekam der wieder umbenannte Narrenrat aber auch mit den Meßkirchern, die sich in jenem Jahr so passiv verhielten, dass sich der Narrenverein genötigt sah, eine schon fix und fertig geplante Aufführung kurzfristig abzusagen. Der Narrenrat verharrte zwei Jahre lang im Schmollwinkel, und schon wollte man erneut die Bücher ins Rathaus bringen, als Anton Vogler für 1914 doch noch eine Fastnacht zustande brachte. Das Motto lautete: ,,Meßkircher Maimarkt mit Einweihung der neuen Viehhalle". Dieser Idee lag ein aktuelles kommunalpolitisches Thema zugrunde.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges machte dann für sehr lange Jahre alle weiteren Aktivitäten zunichte. 1921 begann der Narrenverein von Neuem. Eine ganze Reihe von Jahren mit glanzvollen Aufzügen und Fastnachtsspielen ist in der Chronik verzeichnet. Themen, wie "Einzug des Kalifen von Bagdad", "Die VermähIung des Dollarprinzen mit der Rentemnark" oder "Die Landung des Zeppelin ZR 3 in Amerika" weckten bei der älteren Generation Begeisterung. Nur 1923 musste der Narrenverein eine Zwangspause einlegen, weil die Reichsregierung wegen der Inflation ein allgemeines Fastnachtsverbot erlassen hatte.

Viele Narrenvereine vollzogen in jenen Jahren einen Wandel. Mehr und mehr wurden Kostüme systematisiert, oft auch neu geschaffen, es griff eine regelrechte Ordnungs- und Organisationswut um sich, die zuletzt 1924 in der Gründung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, einem Dachverband der Südwestdeutschen Narrenvereine, gipfelte. Ein Großteil der Narrenvereine in alten Narrenstädten hatte sich bereits, angelehnt an handwerkliche Zunftordnungen, organisiert und sich die Bezeichnung Narrenzunft zugelegt. Grund für diese Entwicklungen waren nicht zuletzt, dass man mit einer stabileren Organisation den in den Vorjahren immer wieder greifenden politischen Restriktionen entgehen wollte und deshalb versuchte, die Fasnet weg vom Volksspass, hin zum Kulturgut zu entwickeln.

Erstmals beteiligte sich 1928 eine Abordnung aus Meßkirch an einem Narrentreffen in Freiburg, das von Hermann Eris Busse angeregt und vom Verein badische Heimat veranstaltet wurde. Begeistert erzählten die Teilnehmer über ihre Erlebnisse in Freiburg. Nachdenklich geworden besannen sie sich aber auch auf den eigenen Reichtum an fastnächtlichen Eigenheiten und Figuren, deren historische Bedeutung bisher zu wenig beachtet wurde. Zu sehr im Mittelpunkt stand stattdessen immer der Drang, nur Unterhaltung und Komik bieten zu müssen.

Der entscheidende Durchbruch zur Umwandlung des Narrenvereins in eine Narrenzunft ließ jedoch auf sich warten. Zunächst setzte der Elferrat, wie sich das Gremium seit dem Ersten Weltkrieg nannte, die Fastnacht 1928 vöIlig ab und begründete diesen ungewöhnlichen Entschluss mit chronischer Geldknappheit und mangelndem Interesse der Meßkircher Bevölkerung. Die Krieselochnarren antworteten mit der Aufstellung eines eigenen Narrenbaums und schlugen am Rathaus ein Spottgedicht auf den Elferrat an. Über derlei Reaktionen zeigte sich die Spitze des Narrenvereins so verbittert, dass es in den folgenden zwei Jahren überhaupt keine offizielle Fastnacht mehr gab.

Als das Bezirksamt in den Jahren 1930, 1931, 1932 und 1933 auch noch jegliches Narrentreffen auf öffentlichen Straßen und Plätzen, "im Hinblick auf den Ernst der Zeit und die unvermindert anhaltende Notlage des deutschen Volkes" verbot, schien es, als ob der 1928 neu erwachte Zunftgedanke und mit ihm die Meßkircher Fasnet endgültig gestorben seien. Der Narrenverein sah sich 1933 nicht einmal in der Lage, eine kleine Abordnung zum Narrentreffen nach Stockach zu entsenden.

1934 machte Narrenvater Konrad Reinauer den Versuch, noch einmal alle Narren zu einer großen Volksfastnacht zu mobilisieren. Sein Appell löste eine bis dahin nicht gekannte Begeisterung aus. Der Schmotzige Dunnschdig wurde nach siebenjähriger Pause wieder in der früher gewohnten Weise mit Narrenbaumsetzen und Hemdglonkerumzug begangen. Höhepunkt aber war ein respektabler Umzug und die anschließend gezeigte Landung von Professor Piccard mit dem Luftballon.
Erstmals hielt Fritz Heidegger, der Bruder des Philosophen Martin Heidegger, eine seiner berühmten Narrenreden. Das Abonnement auf die Narrenkanzel, die - nach seinen Worten - einem Schafott so ähnlich sah, behielt er bis in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Jahr 1935 wurde zu einem der bedeutsamsten in der jüngeren Meßkircher Fasnetsgeschichte. Getreu dem bereits in den Zwanziger Jahren angestrebten Ziel wurde der Narrenverein in die Narrenzunft Katzenkopf umbenannt. Somit war die Verbindung zur Spaikatze aus der Zimmerschen Zeit wieder hergestellt, was die Narren aber 1935 noch nicht wussten. Erstmals fand das Wurstauswerfen an die Schuljugend am Rathaus statt; erstmals wurde auch die Narrenmutter nicht mehr ernannt oder gewählt, vielmehr wurde ihre Berufung zu einer geheimen Angelegenheit des Narrenvaters, der erst am Abend des Schmotzigen Dunnschdig sein bis dahin streng gehütetes Geheimnis bekannt gibt, wenn der Hemdglonkerumzug die neue Narrenmutter nach langem Suchen gefunden hat. Diese schöne Sitte hat die Meßkircher Fasnet zweifellos belebt.

Die Tradition der Fastnachtsspiele und Umzüge behielt auch die Narrenzunft "Katzenkopf" bei. So drehte sich eine Aufführung um die 20 Millionen Dollar der Garett'schen Erbschaft. Der Titel lautete "20 Millionen, verstohscht, in bar". Auch der berühmte Circus Messo ist vielen noch in Erinnerung. 1936 nahm die Narrenzunft Katzenkopf erstmals an einer Tagung der Zünfte in Oberndorf teil und besuchte außerdem das ebenfalls dort stattfindende Narrentreffen. Beim Umzug 1936 in Meßkirch wirkte auch das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stockach mit. Die Meßkircher erwiderten den Besuch am folgenden Tag. 1937 wurde die Narrenzunft "Katzenkopf" Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte. Eugen Eiermann, in jenem Jahr neu in den Narrenrat gekommen, hatte dazu die Vorarbeiten geleistet.

1938 endlich schlug für die Meßkircher Katze die schon so lange erwartete Stunde der Wiedergeburt, Robert Kuner und Anton Vogler junior, Sohn des langjährigen Narrenvaters Anton Vogler senior waren die maßgeblichen Schöpfer dieser lieblichen Narrengestalt, die inzwischen längst zum Markenzeichen der Meßkircher Zunft geworden ist. Die neuen Katzen wurden in feierlichem Zeremoniell auf dem Marktplatz enthüllt und dem gleichermaßen staunenden und jubelnden Volke vorgestellt. Zunächst waren es nur zwei, ein Jahr später zählte man derer sieben. Heute sind es weit über 150, doch selten hat man die Freude, sie alle auf einmal zu sehen. Manches Katzenhäs ist bei Wegzügen aus Meßkirch leider auch als Erinnerungsstück an die Heimat mit in die Fremde gegangen. Ein trauriges Katzenschicksal, wenn man bedenkt, so ganz ohne Schmotzigen Dunnschdig und ohne Narrenbaum...

Nach achtjähriger Zwangspause, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, rief Anton Mayer seine Getreuen 1948 wieder zusammen. Zu jener Zeit überraschte Dr. Hans Keller die Meßkircher mit der Entdeckung der Meßkircher Katzen in der Zimmerschen Chronik. Die Nachricht kam damals einer kleinen Sensation gleich und stärkte die Zunft in ihrem Selbstbewusstsein.

1952 wurde Fritz Haug neuer Zunftmeister. Während seiner Amtszeit fand in Meßkirch im Jahr 1954 das erste Narrentreffen mit 20 Gastzünften aus der Schwäbisch-Alemannischen Vereinigung statt. Der Besuch auswärtiger Narrentreffen gehörte schon einige Jahre zum festen Programmablauf.

Wurde der Verein bis 1958 vom Narrenvater geführt, so wurde nun das Amt eines Zunftmeisters als Vorsitzender des Narrenvereins geschaffen, was Eugen Eiermann für die folgenden 8 Jahre übernahm. Seine Amtszeit war geprägt von einer immer "perfekteren“ Organisation der Fasnet. Die Jahrzehnte davor war die Fasnet in Meßkirch geprägt von Originalen, von Spontanität und Kreativität – nun wurde die Fasnet mehr und mehr zum beinahe sakrosankten (unantastbaren) Kulturgut, welches nicht in erster Linie gefeiert, sondert bewahrt werden sollte. Narrenspiele – Jahrzehnte Hauptattraktion der Meßkircher Fasnet – schliefen ein. Auch die durch Heidegger, Vogler, Mayer, Haug und Bingeser zu einem Höhepunkt der Fasnet entwickelten Narrenreden auf dem Marktbrückle, zu denen teilweise mehrere tausend Gäste aus dem ganzen Umland in die Stadt strömten, wurden in der Zeit von Eiermann abgeschafft.

Stattdessen wurden die Brauchereignisse systematisiert. Charly Sauter dichtete Formeln und Texte, die in nahezu unveränderter Form bis heute die offizielle Fasnet begleiten.

Nicht unerwähnt bleiben darf die Figur des Petter Letzkopf, die 1953 erstmals von Dr. Wolfgang Bingeser aus Anlass einer Narrenrede verkörpert und 1961 in der heutigen Form von Otto Jung in die Meßkircher Fasnet eingeführt wurde. Die Figur lehnt sich an Berichte aus der Zimmerschen Chronik an, in der eindrucksvoll vom Hofnarren der Zimmerschen Grafen berichtet wird. Er ist heute zur Symbolfigur der Meßkircher Fasnet geworden.

Viele fastnachtliche Höhepunkte hat Meßkirch seit dem Wiederbeginn nach Kriegsende erlebt. Neben dem Narrentreffen 1954 seien besonders genannt die großartige Fasnet im Jubiläumsjahr der Stadt Meßkirch (1961) mit dem Besuch des Till Eulenspiegels aus Mölln.

Das von den Zünften Rohrdorf und Menningen in Meßkirch veranstaltete große Narrentreffen der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee (1966) gehört ebenso zu den Großereignissen der Meßkircher Fasnet wie die Narrentreffen der VSAN 1974, 1982 und 1990 und 1998. 1995 traf sich in Meßkirch erneut die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. 2006 fand das bislang letzte Narrentreffen in Meßkirch statt. Es wurde live im Südwestfunk übertragen.